INSELJAHRE als Lesebuch: Tagesmotto 02/24/2021 . . . The Merapi-Experience

Traveling is not just seeing the new; it is also leaving behind. Not just opening doors; also closing them behind you never to return. But the place you have left forever is always there for you to see whenever you shut your eyes. And the cities you see most clearly at night are the cities you have left and will never see again.”

JAN MYRDAL ‚The Silk Road‘

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Juni 1984

[Felix] = The Merapi-Experience.*) – Meine Zeiten, die ich auf hohen Vulkanen verbracht habe, waren meist recht kurz. Einmal erschien mir eine solche Exkursion eine Ewigkeit zu dauern. Ich möchte sie hier erzählen, denn sie ist mir als ein bestandenes Abenteuer recht gut in Erinnerung geblieben.

Als ich an einem späten Abend mit einem mir anfangs unbekannten amerikanischen Traveller in einer jener lärmigen Fressbuden saß, herrschte auch in Bukittinggi immer noch der Ramadan. Beide waren wir von endlosen Tagen und Nächten ohne einen ausreichenden Schlaf müde und lustlos, weil die Muezzine unentwegt über Lautsprecher Allah priesen. Hohlwangig waren wir geworden, jetzt etwas hungrig und dazu schlecht gelaunt. Abgemagert waren wir bereits hier angekommen, weil wir beide, ganz unabhängig voneinander, vor einigen Wochen mit dem Bus vom weit im Norden liegenden, sehr streng muslimischen Aceh heruntergekommen waren. Sumatra war inmitten der achtziger Jahre noch sehr originell und gerade erst frisch vom üblichen harten Kern der Backpacker-Szene entdeckt worden, die allen Nachfolgenden Tür und Tor öffnen. Nur wenige erste Surfer versuchten zur Insel Nias zu gelangen, die für ihre langen und hohen Wellen vom Indischen Ozean her allmählich bekannt wurde. Irgendwie trachteten fast alle erst einmal den Danau Toba zu erreichen, wo inzwischen sogar die historische Häuser der kristlichen Batakfamilien, direkt am See gelegen, von den Hippies billig zu mieten waren. Aber auch hier war das Essen ziemlich langweilig und auf Dauer alles andere als schmackhaft. Aber es gab wenigstens etwas für die Gäste und Reisenden. Von einem überaus vielfältigem Padang-Food, welches tagelang vorbestellt, dann auf einer langen Tafel zelebriert wird, konnte man hier oben am Lake Toba bloß träumen. Wenigstens war in Bukittinggi das Essen ein wenig abwechslungsreicher, aber nur wenn man sich bereits etwas auskannte und wusste, wo man für dies und das hinzugehen hatte.

Abgesehen von den sehenswerten Bauten wie dem Minangkabau-Palast einem sehr schön gelegenen Bergsee, den tiefen Schluchten, von vierzig Meter hohem Bambus überschattet, dem alten holländischen Fort, den nett mit buschigen roten Sträußen geschmückten Pferdekutschen, die ein wenig an die Fiaker Wiens erinnern, und mit denen sich manche Touristen gern herumfahren lassen, gibt es in der lärmigen Stadt und ihrer näheren Umgebung relativ wenig zu unternehmen. Damals gewiss ein Ort, um sich von den Strapazen einer Rucksackreise durch Aceh etwas zu erholen, denn auch das Klima ist wegen der Höhenlage meist recht angenehm.

In den engen Gassen gibt es sehr billige, aber anfangs immerzu gewöhnungsbedürftige stickige Unterkünfte in dunkelsten feuchten Ecken, bis man eine bessere Unterkunft findet. Aber mancher begnügt sich damit, wenn es wenigsten einen funktionierenden Ventilator neben seiner Pritsche in einem engen, ansonsten nach oben hin vollkommen offenen Verschlag hat.

Das städtische Weichbild von Bukittinggi geht allmählich in kleine Kampungs über, die malerisch auf den Höhen rings umher liegen, über denen wiederum einige mächtige Vulkane wie an einer Kette aufgereiht hoch aufragen. Der „Gunung Merapi bei Bukittinggi“ erreicht dabei eine Höhe von fast 3.000 Metern und soll sogar ganz alleine zu besteigen sein, wenn man sich dafür nur drei anstrengende Bergsteiger-Tage Zeit nehmen möchte.

Der amerikanische Backpacker, mit dem ich an jenem Abend zusammen saß, und dessen Name ich leider vergessen habe, schwärmte mir von dieser mehrtägigen Tour vor, die er angeblich selber gelaufen war. Gern machte er mir auf ein Blatt meines Tagebuchs eine kaum maßstäbliche Wegskizze aus seinem Gedächtnis. Die Entfernungen waren nur vage in Stunden angegeben; es gab keinerlei Höhenangaben, keine Kompasspeilungen zu weit entfernten Objekten. Nur ganz früh in der Nacht müsse man die zweite Etappe beim Aufstieg beginnen, denn bald bilden sich am Gipfel dichte Quellwolken, und in diesem Nebel kann man dann leicht den halbwegs sicheren Abstieg verpassen.

Nun ja, klingt ganz gut, das werde ich mir vornehmen, sagte ich, und ich hatte in diesem Moment noch keine Angst vor meiner eigenen Courage. Bereits einen Tag später brach ich auf. Rucksack, Wasserflaschen, Schlafsack, Regenplane, etwas Lebensmittel, Verbandszeug, Messer, Kompass, Sonnenbrille und natürlich das Sonnenhütchen. Mit einem Bemo fuhr ich zum Einstieg in ein hübsches, abgelegenes Dorf, das inmitten von Gärten, Gemüse- und Reisfeldern am Fuße des hiesigen Merapi-Vulkans liegt. Den ganzen Nachmittag stieg ich durch diese nicht enden wollenden fruchtbaren Gärten und Reisfelder empor. Auf einem Sack mit Futtergras entdeckte ich einen Tausendfüßler, größer als mein Wanderschuh war der. Ein Foto von diesem merkwürdigen Burschen sollte mir genügen. Angefasst habe ich ihn vorsorglich nicht, denn ihre Zangenbisse sollen sehr schmerzhaft sein.

Bald wurde die Vegetation entlang des schmalen Weges wilder und offenbar undurchdringlich. Haushohes Bambusdickicht überall, kleine Reste vom ehemaligen Regenwald mit hohen, oft bereits abgestorbenen einzelnen Bäumen, kleinere und große, dann recht tiefe Gullys, die in basaltische Schlacken und wechselnden Schichten von Aschen vom tropischen Regen eingekerbt sind. Ich folgte weiter dem beschriebenen, immer noch gut sichtbaren Grasweg, der sich mit gemütlicher Steigung den steilen Hang des Merapi entlangzog. Doch da wurde es, wie immer in diesen Breiten so dicht am Äquator, fast plötzlich Abend. Die Sonne stand bereits bedrohlich tief, und in gut einer halben Stunde würde es bereits dunkelste Nacht sein.

Fast in letzter Minute gelangte ich tatsächlich zu der in der Skizze vermerkten Bambushütte, die eigentlich nur ein lang gestrecktes, wackliges Palmwedeldach war. Ich legte den Rucksack ab, zog den Schlafsack heraus, und noch vor einem kargen Nachtmahl stand ich in einem kleinen Rinnsal, um mir den Schweiß eines langen Tages abzuwaschen. Zurück unter der wenigstens ein wenig schützenden Behausung nur für einige kurze Stunden Schlaf, die ich mir nehmen durfte, wurde ich plötzlich von wilden Bienen angegriffen, die sich mit ihrem ganzen Schwarm auf mich stürzten und mich dabei am gesamten nackten Körper stechen konnten. In der Unterhose stand ich nach einer ersten Flucht auf dem Weg etwas oberhalb, das Gepäck mit allem Essen aber waren noch unter dem Dach, wo die aggressiven Bienen vermutlich ihr Nest hatten. In der tiefsten Dunkelheit, allerdings, bereits vom hellen Mond beleuchtet, barg ich mein Gepäck, nicht ohne einem erneuten heftigen Angriff der scheinbar nur darauf wartenden Bienen ausgesetzt zu werden.

Sie verfolgten mich vielleicht noch fünfzig Meter weit, als ich bereits mit dem Gepäck in der Hand auf dem Grasweg Hang abwärts rannte. War da nicht vorher irgendwo etwas tiefer gelegen ein winziges Palmwedeldach gewesen? Dort würde ich vielleicht die nächsten Stunden verbringen können. Es war eine Art Stall, der aber bereits von einem dicken Wasserbüffel besetzt war. Das Tier war offenbar friedlich, und ich legte mich wagemutig an seine warme Seite, damit ich wenigsten etwas von dem bald einsetzenden starken Regen geschützt war. Trotz der zahlreichen Bienenstiche und starker Schmerzen muss ich tatsächlich ein paar Stunden geschlafen haben. Ich wurde aber noch bei vollem Mondlicht rechtzeitig wach. Dennoch war es vielleicht bereits zu spät für einen erneuten Versuch, diesen Vulkanberg zu besteigen. Das waren der erste Tag und die erste halbe Nacht oben auf dem Merapi.

Gerade hatte ich eine Banane und ein paar Kekse verzehrt und etwas Wasser dazu getrunken, da wandte ich mich von meinem schnaufend atmenden Schlafkameraden, dem warm dampfenden Wasserbüffel ab, und stieg noch im Mondlicht erneut diesen Grasweg empor. Die Besteigung nahm so ihren Fortgang. Hinter der Hütte, in der sich die Bienen nach ihrer erfolgreichen Verteidigung vermutlich eine Ruhepause gönnten, sollte der Beschreibung nach, bereits in etwa hundert Metern ein winziger Pfad durch den Bambuswald steil hinauf führen. Dieser „Bamboo-Forest“ wurde bald zu einem schier undurchdringlichen, bereits dickstämmigen, endlos hoch aufragenden „Grasdickicht“, in dem ich mich wie ein kleines Reptil mühsam durchzuschlängeln versuchte. Oft war der Rucksack im Wege und ich legte ihn schließlich ab, um besser durch die eng stehenden wadendicken Stengel zu bekommen. Es war jetzt wohl bereits nach Mitternacht und stockdunkel hier unten, und ich sah weder den Mond noch einen Pfad, ich hatte tatsächlich beide verloren. Selbst eine Taschenlampe hätte hier wenig geholfen. Hatte eh keine dabei. Ich versuchte mich dann schräg bergab zu halten, denn irgendwann müsste ich auf diese Weise wieder auf den Grasweg unterhalb gelangen. Noch eine Stunde vielleicht, vielleicht zwei, quälte ich mich zentimeterweise durch diesen engen, kaum passierbaren Verschlag. Natürlich geschah das stets im Wechsel der Hauptrichtung, um einige begehbare Lücken auszunutzen. Hauptsache war jedoch, dass ich mich insgesamt bergab hielt. Irgendwann kam ich zum Ende dieses Versuchs. Ich sollte besser auf erstes Licht warten, als mich in der tiefen Dunkelheit vollkommen unnütz zu verausgaben. Den Rest der Nacht verbrachte ich auf einer winzigen freien Stelle im hohen Grase hockend zwischen den Bambusstämmen. Ab und zu schlug ich mit den flachen Händen auf den Boden, um etwaig herbei geschlichene Schlangen zu verscheuchen, die durch meine Körperwärme und meinen Geruch allzu neugierig geworden sein könnten. Als es endlich hell wurde, sondierte ich das nähere Umfeld. Etwas weiter hinter hohem jetzt vom Tau feuchten Gras, keine fünf Meter von meinem vorherigen „Schlafplatz“ entfernt, gähnte ein breiter, fast senkrecht hinab reichender Gully. Ich schätzte ihn auf eine Tiefe von zwölf bis fünfzehn Meter. Mein sechster Sinn, vielleicht vom Vater vererbt, hatte mir in der Dunkelheit das Leben gerettet, oder war das nur das normale Glück, das man ständig und möglichst beizeiten haben sollte?

Immer wenn man eine große Gefahr hinter sich gelassen hat, ist man diesem Glück eine Weile noch dankbar, bis dann nach dem ersten Schrecken eine natürliche Verdrängung einsetzt, die uns befähigt trotzdem auf unserem nun einmal eingeschlagenen Weg fortzuschreiten.

Als ich mehr durch ein weiteres Glück, als durch meine „Dschungel-Navigation“ endlich aus diesem schrecklichen Bambus-Gefängnis entkommen war und den Grasweg wieder gefunden hatte, ging ich zügig aber aufmerksam an der Bienenhütte vorbei. Bald gelangte ich auch zu dem bereits erwähnten Stall, in dem ich in der Nacht zuvor einen warmen Unterschlupf gefunden hatte. Mein Freund, der mächtige graue Wasserbüffel, stand bedächtig kauend davor, wandte mir seinen Kopf mit den malmenden Kiefern zu, als wollte er mich freundlichst zum seinem Frühstück einladen.

„Mach’s gut, alter Knabe, denke wir sehen uns sobald nicht wieder.“ Dabei tätschelte ich ihm seinen dicken, etwas behaarten Hals. So ein Büffel hat etwas von einem Elefanten, denen seit Kindertagen eine gewisse Art von Zuneigung und Wohlwollen zukommt. Büffel aber, das muss man dabei wissen, können in der Natur bisweilen ebenfalls durchaus tödlich gefährlich werden, wenn man in ihre Reviere eindringt.

Ich wollte jetzt weiter Berg abwärts.

Da sah ich eine noch recht junge Minangkabau-Frau auf mich zukommen. Sie hielt ihre linke Hand hoch, aus der reichlich Blut triefte. Sie kam wegen einer medizinischen Hilfe zu mir, das war ganz offensichtlich. Im Gepäck suchte ich das Desinfektionspulver und ein Verbandspäckchen, verband ihr die tiefe Wunde, die sie sich zwischen Daumen und Zeigefinger mit einer Sichel in die Hand gehackt hatte. Ich selber hätte danach auch gern eine Schmerz stillende Versorgung mit meiner Creme gehabt, wenn nicht sogar dringend benötigt, besonders an den Stellen, an die man selber nicht hin gelangt, wenn man dort etwas auftragen möchte. Hatte ich doch an die vierzig Bienenstiche verabreicht bekommen. Mindestens! Die Frau aber verschwand gleich danach ohne ein Wort des Dankes, und ich setzte meinen Abstieg in das von hier noch weit entfernte Dorf allein fort.

Der Rückmarsch verlief ohne Komplikationen, manchmal genoss ich schöne Ausblicke auf das tiefer liegende, in einem grünlichen Dunst liegende, fruchtbare Land, dann auf die anderen hohen Vulkane der Szenerie, die wie auf allen dieser indonesischen Inseln tatsächlich wie mächtige Götterwesen aus der feurigen Tiefe dieser Erde gewachsen erscheinen. Beim Aufstieg am Tag zuvor hatte ich am Rand des Weges einen sehr großen, aber bereits toten „Hirschhornkäfer“ gefunden, zu dessen reglos auf dem Rücken liegenden, dunkel glänzenden Körper mich eine große Ameisenstraße geführt hatte, der ich neugierig geworden nur ein Stück zu folgen hatte, um ihn dann auch gleich gleich zu finden.

Den Hirschhornkäfer hatte er im Bambusdschungel des Gunung Merapi bei Bukittinggi gefunden. Als er dann im Guesthouse seine hohen, immer noch nassen Turnschuhe und all die Kleidung ablegte, waren seine Füße voll wässrigen Blutes. Die inzwischen natürlich zerquetschen Blutegel, die er in den Schuhen vielleicht schon zwei Tage mit sich herum getragen hatte, waren ihm ein kleiner zu zahlender Preis für seine glückliche Rückkehr. Aber die verdammten Ratten im Hotel hatten sich wenig um sein kostbares Sammlerstück geschert und den Käfer stückweise durch eine breite Ritze geschleppt. Aus der Mandi kommend, ärgerte sich Felix noch Jahre danach, dass er dieses Prachtexemplar nicht wenigsten noch eine Viertelstunde in seinem feuchten Rucksack belassen hatte. Zum Glück wollte er zwar auch weiterhin kein ernsthafter „Käfersammler“ wie Ernst Jünger werden, und so fand er sich irgendwann damit ab. Erschöpft schlief er auf dem jetzt erstaunlich bequemen Bett ein . . . Nur der süßliche Geruch der schnellen Verwesung hielt Felix in einem Traum davon ab, das Innere auszusaugen. Felix hatte Käfer und die wie Kupfer glänzenden, enorm hoch entwickelten Kakerlaken eigentlich schon immer gemocht. Am ganzen Körper nass geschwitzt wachte er noch vor dem ersten Morgenlicht auf.“ […]*)

Unten in der großen Halle des Backpacker-Hotels waren einige der Mitbewohner bereits mit ihrem Frühstück beschäftigt. In lockerer Formation saß die neue bunt gemischte Clique, die sich auf diesen Trampelpfaden gewöhnlich schnell zusammen rauft, auf den niedrigen, etwa einer Couch ähnlichen Polstern, die stilecht mit fantasievollen Batikstoffen überzogen waren. So hockten sie dann bereits am frühen Morgen im luftigen Innenhof des Hotels herum und tranken süßen Tee. Felix kam irgendwann hinzu und lümmelte sich vorsichtig auf eines dieser Polster.

„Was ist denn mit dir passiert“, fragte einer.

„Er ist in einen Schwarm Bienen geraten, wisst ihr das denn noch nicht? Er war allein oben auf dem Merapi“, sagte Svenja, die ihn am Nachmittag zuvor mit Soventol und anderen Tinkturen verarztet hatte.

„Na ja, weit bin ich nicht gekommen, wieder einmal nur bis in den verfluchten Bambuswald.“ Felix versuchte dabei ganz locker zu sein. Seine geschwollene Haut schmerzte ihm fast am ganzen Körper.

„Wieder einmal? Wie oft bist du schon an diese Grenzen gelangt?“ Maria, die sich jetzt aber lieber Jane nannte, hatte in Frankfurt Germanistik und Soziologie studiert, kannte sogar Angela Davis. Sie war in Vorlesungen von Adorno, Horkheimer, Marcuse, und einmal hatte sie auch in Tübingen eine von Ernst Bloch besucht. Sie war mit den Feinheiten der Deutschen Sprache sehr gut vertraut. Jane hatte bereits graue Haare, die ihr recht gut standen.

„Kinder hört mal: Feuer, ja, aber extra Grillanzünder? Mann, o Mann, diese europäische Kultur steht mir schon bis zum Hals.“ Das war der mit den langen Haaren. Felix war in seinen Gedanken immer noch mit dem vorherigen Gespräch beschäftigt.

„Der Bursche dort raucht viel Gras, wer weiß, was er sich sonst noch alles rein schmeißt“, flüsterte ihm Svenja zu. Dann fasste sich der blonde Globetrotter in der Sitzgruppe nebenan in seinen Haarschopf und zupfte daraus ganze Büschel, die er in der ganzen Runde herumzeigte.

„Leute, das ist nur von diesen verfluchten Resochin-Tabletten, das kann ich euch echt laut sagen, das Zeug nehme ich nicht mehr. Malaria? Soll sie doch kommen!“

*

Auf dem Siak-River. – Von Pekanbaru, noch im Tiefland gelegen, gelange ich von Sumatra in drei sehr abenteuerlichen Tagen mit einem Flussboot fast direkt zurück nach Singapore. Eric, ein junger französischer Backpacker ist auf dieser langen Fahrt der einzige weitere ‚Ungläubige‘ an Bord des ganz sicher stark überladenen Bootes.

In Singapore treffe ich Irma und Paul zufällig auf der Straße. Mit Irma beziehe ich gleich darauf ein Zimmer in der Bancoolen Street, die sich seit dem letzten Besuch aber sehr stark verändert hat und kaum noch wiederzuerkennen ist. Dann wartet bereits wieder einmal Indonesien auf mich. Nach ebenfalls ziemlich abenteuerlichen Großstadttagen in Jakarta geht es mit dem Zug allmählich durch das wunderschöne und fruchtbare Java. Bei Jogjakarta das riesige Areal der mittelalterlichen Tempel von Prambenan. Dann endlich wieder einmal Bali, wo ich mein altes Losmen ‚Sinar Indah‘ erst nach langer Suche wiederfinde. Man erinnert sich dort nach drei Jahren sogar noch gut an mich.

Auch die einstigen kleinen Fischerdörfer Kuta und Legian haben sich in den wenigen Jahren sehr verändert. Es ist überall viel gebaut worden, und der australisch und japanisch dominierte Tourismus ist inzwischen allerorten aufdringlich präsent. Wird das wirklich zu einem Mallorca, zu einem SE-Asiatischen Ballermann werden? Oder ist Bali das nicht bereits längst geworden?

Bald also die Weiterreise über die extrem strömungsreiche „Wallace-Street“ nach Nusa Tengara, den östlichen ‚Inseln unter dem Wind‘. Von Lombok (malayisch: Roter Pfeffer), der Insel also, ‚wo der Pfeffer wächst‘ gleich in die damals noch nahezu vollkommen unberührte Einsamkeit von Gili Air, eine der Lombok direkt vorgelagerten Gili-Inseln. Auf der winzigen Insel Gili Air verbringst du sogar vier, letztlich doch recht ereignisreiche, in der Rückschau absolut einzigartige Wochen, an die du dich ein Leben lang wehmütig erinnern wirst. (Ende des Auszugs)

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*) STEPHAN-KEMPF, GÜNTER (2021): Ulysses – Wanderer ohne Ziel (2). INSELJAHRE Band 24. Edition GEOTEAM – Bad Schwalbach & Kampot. (Band 2 von 4); ca. 558 pp. [in Bearbeitung]; Auszug: 8. Kapitel, vorl. S. 981-985

**) Das Titelfoto dient als Platzhalter, da ich im Moment nicht an die Bilder aus jener Zeit gelangen kann. Hier: Battambang im nördlichen Laos mit ähnlich gebirgiger Landschaft, allerdings ganz ohne Vulkane. (Foto des Autors 2018)

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