INSELJAHRE als Lesebuch: Tagesmotto 02/19/2021 . . . „All New to Remember Makes Month of December“ … Im Jahr des Büffel

Bekomme den vorhandenen Text einfach nicht gescheit von „Seite“ zu einem normalen „Beitrag“ kopiert … Was eine Schei…. Was denken sich diese System-Technokraten wohl, die weltweit längst sicher angedacht, routinierte, dann endlich nur noch elitäre Nutzer möchten . . . ? (Remark – 02/23/2021)

Und dann verändert sich gnadenlos die Vorlage von Word bzw. Libre Office … das ist so krank …

Wie ergeht es euch, wenn ihr auf den immer schneller vergehenden Lebensverlauf blickt?
Was ist mit der Zeit, die uns so schnell vergeht?
Alles neu macht der Mai, so heißt es im deutschen Volksgut. Natürlich hat der Frühling besonders in den nördlicher gelegenen gemäßigten Breiten schon immer eine fast berauschende Wirkung auf die Menschen ausgeübt. Die Natur erwacht aus der Wintererstarrung, die Vögel bauen ihre Nester, und Rainer Maria Rilke lässt „sein blaues Band flattern durch die Lüfte.“
Und was dabei unsere Körperlichkeit mit all ihren Sehnsüchten betrifft, so regt sich im Frühling verstärkt die Sinnlichkeit, die uns aber oft genug nicht an eine warme Haut gelockt, dann aber an fernere, noch südlicher erscheinende Küsten getrieben hat . . .
Seit über fünf Jahren lebe ich sogar im tropischen Kambodscha, wo es mir weiterhin gut gefällt. Sogar die meist mit schrecklich starkem Lärm verbunden verschiedenen Religionsausübungen in meinen Nachbarschaften stören mich nicht mehr sonderlich. Wie ich mich an das oft etwas schwüle, dann aber meist gut warme Klima gewöhnt habe, so klappt auch die Adaptierung auf hier herrschende Lebensbedingungen und grässlich laute muslimische Lautsprecher-Weckrufe bereits in nächtlicher Dunkelheit des aller frühesten Morgens immer besser.
Dann gleichen sich das in vielerlei Hinsicht etwas minimalistisch wirkende aber meist freundliche Wesen der Khmer, dann das hiesige preiswerte exotisch reichhaltige alltägliche Angebot auf den Märkten mit dem sehr reduzierten und qualitativ oft minderwertigen Produkten aus China kommender Warensortiments allerlei benötigter Haushaltswaren oder technischer Produkte in einer fast makaberen Weise aus. Egal ob Wasserkocher, Stahlbohrer, Saugpumpen, Elektroinstallationen, allerlei Werkzeuge, sanitäre Artikel, Bauholz, Batterieladegerät, Seile, Beschläge, Zementpfosten und der ganze Rest sind in der Regel absolut minderwertig und sogar ihr billiges Geld nicht wert. Ihre Beschaffung allein, die ständige mühsame Suche in zahlreichen kleinen Shops nervt und kostet enorm viel ZEIT. Einen Baumarkt gibt es zumindest nicht!
Auch Verkäufer, die ansonsten kaum ein Wort Englisch sprechen, werden zumindest eines viele Male an einem einzigen Tag sagen: 
  „Sorry! No have!“
Auch hier vergeht die Zeit von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat schneller, als es einem noch gut erscheinen mag. Sogar die letzten Jahre vergingen wie im Flug. Vor einer guten Woche wurde unter den ‚Buddhisten‘, die wegen ihrer gemischten Abstammung und alter Familientradition chinesische Rituale pflegen, (schon wieder) das „Chinesische Neujahrsfest“ gefeiert. Man lebt im Alltag aber nach dem westlichen Julianischen Kalender, wo eben besagter Dezember an seinem Ende ein neues Jahr mit all dem von uns erhofften Verlauf beginnen lässt.
Für jedes neue Jahr gibt es hier ein anderes Tier, das symbolisch für ein Jahr, ganz wie unsere Perioden für ein bestimmtes Sternzeichen steht. Sind die dazu auserkorenen Tiere reihum durch, beginnt der Kreis von neuem. In diesem Jahr ist es wieder einmal der Büffel. Selber bin ich dereinst in einem Jahr des Büffel geboren, welches aber leider schon sehr lange zurück liegt.
Ich war am Vorabend der Feiertage bei Khmerfreunden eingeladen. Bereits zum Mittag hin wurde auf der Straße „Himmelsgeld“ für die Ahnen verbrannt. Eine üppig gedeckte Tafel mit wirklich gutem, sehr vielseitigem und reichlichem Essen wurde eingedeckt. Die Nachbarn der Häuser von beiden Seiten feierten wie in einem großen Kollektiv mit. Diese traditionell gewachsen Struktur wäre eigentlich selbst für ein modernes Konsumsystem zunächst kaum zu durchbrechen, beruht sie doch auf dem tiefsten Empfinden aller einsichtiger Menschen nach einer friedlichen sozialen Gemeinschaft miteinander. Was aber wird unter den schnell voranschreitenden Bedingungen zunehmend sichtbarer Globalisierung, in einer digitalisierten Welt mit der Power des Milliarden schweren Kapitals selbst hier in absehbarer Zeit geschehen?
Man sollte dazu im Hintergrund wissen, dass die einzig große Hafenstadt Sihanoukville entlang ihrer noch vor wenigen Jahren naturbelassenen Sandstrände in nur wenigen Jahren quasi die Skyline von Manhattan kommen hat, wogegen die bekannten Touristenburgen, inzwischen um das Mittelmeer herum, wie kleine architektonische Modelle wirken. Allerlei Charaktere westlicher Expats kommen seit drei oder vier Jahren in großer Zahl in das immerhin noch immer liebenswerte Kampot, um hier manchen Geschäften nachzugehen oder dort ihren restlichen Lebensabend zu verbringen. Nicht die schlechteste Entscheidung, das will ich meinen.
Chinesisches Kapital und seine politischen Direktiven beherrschen längst die Länder Indochinas. In Sihanoukville haben sich nach den Russen jetzt allein Chinesen das (gesetzlich eigentlich illegale, hier aber nahezu dominierende!) Casinogeschäft angeeignet und ebenfalls spürbare mafiöse Strukturen entwickelt, sich auch den allergrößten Teil der restlichen Wirtschaftsstruktur der ganzen Stadt einverleibt. Ein riesiger Militärstützpunkt entsteht bereits, ein gigantisch großes Flugfeld hat die früher dort lebende Menschen vertrieben, denn China möchte, das ist wirklich leicht zu verstehen, die strategische Umzingelung durch amerikanische Militärbasen überall in Asien und im westlichen Australo-Pazifik auf diese Art ein wenig durchbrechen.
Was wird uns die Zukunft im Jahr des Büffel bringen?
Kambodscha ist bislang von der nahezu weltweiten Corona-Pandemie glücklicherweise so gut wie vollständig verschont geblieben. Drohen jetzt zusätzlich noch ganz andere Gefahren? Selber versuche ich all diese modern sich entwickelten Zustände in den weltweit betrachteten Zivilgesellschaften in meinem spartanischen „Robinson-Leben“ hier inmitten von Reisfeldern beiseite zu schieben. Wird mir das eines Tages sogar gelingen?

Und wenn ich mit meinem Schreiben einfach vollkommen aufhören würde?

Das wäre sicher die einfachste Lösung, um mich endlich in das Schneckenhaus meiner lediglich imaginierten aber dennoch sehr wohltuenden Freiheit zurückzuziehen. Stattdessen suche ich da und dort, selbst in den kleinen Dingen meines Alltags, immer wieder neu nach mich fortführenden Inspirationen. 
Sie kommen aber, selbst wenn ich sie mir in einem Moment nicht herbeiwünschen würde, leider fast wie von selbst. Sie springen mich förmlich an, ganz wie mein freudig erregter Hund, den ich natürlich gleich ‚Robby‘ genannt habe, wenn es endlich ‚das große Fressen‘ gegen Abend gibt.
   Ein Abend ist kurz in den Tropen.
Etwa gegen sechs Uhr beginnt bereits die nur kurz währende Dämmerung, was sich übers Jahr wegen der nördlichen Lage ein wenig verschiebt. Bis zum Äquator sind es nämlich etwa noch 1.200 Kilometer. Vor dem Haus steht einer der hier typischen Plastikstühle, die es meist nur in hellblau oder rot gibt. Ich sitze dabei auf einem roten Stuhl.
Mit dem letzten mir noch verbliebenen klar blickenden Auge, es ist das Linke, schaue ich auf das 1.200 Meter hohe, steil aufragende Panorama des Bokor-Gebirges, dann auf den quarzitenen, vor etwa dreihundert Millionen Jahren aufgefalteten südlichen Rand der sich weit nach Westen erstreckenden Cardamon-Mountains. 
In näherer Nachbarschaft gibt es kleine Siedlungsinseln unter hohen Kokospalmen. Wenn bei Kampot die rote Sonne versinkt, so tut sie das sehr fern von Capri über dem Bokor und im Winterhalbjahr etwas versetzt über den besagten im Wind fast ein wenig metallisch knisternden Palmwedeln.
Der Hund sitzt brav neben mir. Er bekommt seine Streicheleinheiten und passt dafür gut auf uns auf. Erst gestern hat er eine nicht allzu große Schlange im Gras neben dem Sitzplatz am gemauerten Grill aufgespürt. Nach einem langen Kampf hat er sie leider getötet. Es war von ihrem eckigen Kopf her eine Otternart, giftig zwar, sicher aber nicht so sehr wie die häufigen oft deutlich viel größeren grauen Kobras, die immerhin fast drei Meter lang werden können.
So vergeht mir die Zeit. Immer weniger aufregend ist sie mir geworden, dann aber viel intensiver in ihrer Wahrnehmung. Sie ist mir also weiterhin sehr kostbar. 
Vielleicht ist es dereinst aber auch ein großartiges Gefühl, sie wie ein einst besessenes kostbares Vermögen in einem Glücksspiel eingesetzt zu haben, um sie freilich am Ende zu verlieren, allein um dafür einmal wenigstens in einem schönen, erfüllten Leben gewesen zu sein.

Haben oder Sein, das ist hier die Frage. Und der Büffel wird in diesem Jahr die Antwort dazu auch nicht wissen.“

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